Dr. Petra Bock - Ein persönliches Gespräch | Interview
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Interview mit Dr. Petra Bock

„Die alles entscheidende Frage ist die nach dem geglückten, erfüllten Leben.“
Dr. Petra Bock im Interview

Ein persönliches Gespräch mit Dr. Petra Bock, Potsdam, im Winter 2016.

 

Frau Dr. Bock, Sie sind die Begründerin eines eigenen europäisch geprägten Life Coaching Ansatzes. Wie sieht es mit Ihrem eigenen Leben aus? Glücklich?

 

PB: Wenn Sie mich wie ein Coach nach dem Stand auf einer Punkteskala zwischen null und zehn fragen würden, würde ich sagen: eine ehrliche acht.

 

Reicht Ihnen das?

 

PB: Die Grundidee von Life Coaching ist für mich, sein Leben als freier Mensch in einer freien Zeit zu gestalten. Genau das tue ich und das bringt mich auf die für mich sehr gute ehrliche acht. Ich hatte als von zu viel Arbeit ziemlich heruntergerockte Anfang Dreißigjährige das große Ziel, wieder auf jeden Tag neugierig zu sein wie damals, als ich noch ein Kind war. Das habe ich erreicht. So gut wie jeder Tag ist anregend und ergibt in meiner eigenen Lebensphilosophie einen Sinn im größeren Ganzen, das ich als mein Leben definiere. Manchmal habe ich sogar das Gefühl, mehrere Leben zugleich zu leben. Oder wie ein Renaissancemensch zu leben, der viele Facetten des Menschseins gleichzeitig verwirklicht. 

 

Welche Facetten lebt die „Renaissance-Frau“ Petra Bock aus? 

 

PB: Ich könnte aus dem Stand mehrere Berufe nennen, die ich gleichzeitig ausübe. Ich bin Autorin, Coach, Managementberaterin, Rednerin, Coach-Ausbilderin und Unternehmerin. Das wären die offiziellen Berufsbezeichnungen. Darüber hinaus bin ich noch eine enthusiastische Leserin, Denkerin, Sportlerin, Genießerin, Autofahrerin und Kunstliebhaberin. Den sogenannten Renaissancemenschen war es wichtig, nicht nur wirtschaftliche, sondern auch intellektuelle und künstlerische Interessen und Ziele zu haben. Darin finde ich mich wieder. Und dazu würden dann noch eine Menge ganz privater Facetten kommen, die mir für ein Interview aber zu intim sind. (lacht)

 

Sie haben Geheimnisse?

 

PB: Selbstverständlich (lacht). Nein, im ernst: Ich halte es mit Hannah Arendt, die die Tyrannei der Intimität, die wir erst seit dem späten 20. Jahrhundert erleben, sehr kritisch sah. Ich halte es für einen Akt der Freiheit, Räume ganz für mich zu haben und unterscheide das sehr genau. Ich denke, jeder Mensch hat ein Recht auf Geheimnisse und auf Grenzen, die zu wahren sind. Es dauert zum Beispiel sehr lange, bis ich jemanden „duze“. Ich mag es nicht, wenn man nach ein paar Stunden so tut, als sei man schon eng befreundet. Aus meiner Erfahrung heraus braucht jeder Mensch Zeit, sich wirklich zu öffnen. Distanzlose Übergriffigkeit mag ich nicht. Ein förmlicher Zug, der aber auch damit zu tun hat, dass ich es wichtig finde, wahrhaftig zu sein und Menschen Respekt zu erweisen. Viele denken heute, Menschen zu respektieren hieße, sie mit Nähe zu überschütten, sie sozusagen zwanghaft zu integrieren. Ich glaube, das ist falsch. Respekt heißt in allen Kulturen, jemandem Raum zu geben. Den beanspruche ich auch für mich. Ich habe sehr sensible und introvertierte Seiten. Wer mich besser kennt, weiß um diese anderen, stillen und sehr nachdenklichen Seiten.

 

Dennoch ist es auf der Skala im Moment eine „ehrliche acht“. Wie kommt es?

 

PB: Ich bin ein sehr leidenschaftlicher Mensch und mache das, was ich machen will, ganz. Und das ist manchmal eine Gratwanderung, auf die ich immer wieder aufpassen muss. Das ist das eine. Das andere ist aber, dass es für mich die Zehn zum Glück so gut wie nicht gibt. Einfach deshalb, weil für mich  immer noch ein wenig Luft nach oben bleiben muss. Das war für mich schon als Kind so. Ich wollte im Moment glücklich sein und mich gleichzeitig auf etwas freuen können. Jeden Abend vor dem Einschlafen habe ich mich gefragt, worauf ich mich besonders freue. Dieses „Sich auf etwas freuen können“ ist der Raum zwischen der Neun und der Zehn, der für mich immer frei bleiben und zugleich mit einer Phantasie erfüllt sein muss. Wenn ich mir nichts Besseres vorstellen kann, dann ist meine Kreativität am Ende. Das Faust’sche „verweile Augenblick, du bist so schön“, also der Moment über den hinaus es keine Erfüllung mehr geben kann, bezahlt Goethes Faust damit, seine Seele zu verkaufen. Ich interpretiere das heute so: Ein Mensch, der keine Phantasie mehr hat, wie es noch weiter gehen könnte, hat seine Seele verkauft, ist gefangen im MINDFUCK-Modus oder steht unter Drogen. (Denkt nach) …oder erlebt einen einmaligen, meist nur wenige Sekunden andauernden absolut glücklichen Moment. Pure Euphorie. Doch man wäre nicht gut beraten, wenn man das als Dauerzustand anstrebt. Es würde schon hirnphysiologisch nicht hinhauen.

 

Ist das der Grund, warum sie sich gegen das verwehren, was sie als „Chacka-Coaching“ bezeichnen?

 

PB: Ja, der Wunsch nach Dauereuphorie gehört für mich in den Kosmos der Blockaden. Wer Menschen mit dem Versprechen nach Dauereuphorie lockt, ist nicht wahrhaftig, sondern nutzt eine sehr menschliche Sehnsucht zur Manipulation. Falsche Versprechen dieser Art und andere überspannte Übermotivationsphantasien gehören für mich nicht zum seriösen Coaching.

 

Was sollte „man“ ihrer Ansicht nach dann im Leben anstreben?

 

PB: Ein „man“ gibt es nicht mehr. Im 21. Jahrhundert können Menschen ein hoch individuelles Leben kreieren. Bis auf grundlegende Werte der Zwischenmenschlichkeit sind wir keinen streng verbindlichen Rollenmodellen mehr ausgesetzt, auch wenn uns das manchmal noch gar nicht bewusst ist. Genau deshalb muss es auch seriöses und wirklich gutes Life Coaching geben. Die Bemerkung mit der Euphorie bezog sich auf die alte philosophische Weisheit, dass pures Glück eine – zum Glück – vergängliche Seite hat. Für mich persönlich ist ein erfülltes Leben eines, in dem ich mich, wie gesagt, auf etwas freuen kann und mich als selbstwirksam empfinde. Herausforderungen zu wählen, sie kreativ anzupacken und zu lösen, ist etwas sehr Erfüllendes. Es bringt Flow, aber keine Dauereuphorie. Viel wichtiger für das eigene Lebensgefühl ist es, auf die eigene Kreativität und Handlungsfähigkeit zu vertrauen, Mut zu haben, offen und neugierig zu sein.

 

Und aus einer höheren Warte? Worum geht es für Sie im Leben?

 

PB: Die alles entscheidende Frage ist die nach dem geglückten, erfüllten Leben. Ein geglücktes Leben ist für mich persönlich eines, in dem ich als Mensch mein Potenzial kennen lerne und es, so weit es mir möglich ist, verwirkliche. Das hat viele Dimensionen, die alle zusammen zu dem führen, was ich als geglücktes, erfülltes Leben bezeichnen würde. Mir liegt viel daran, andere, unsere Zeit und das Leben auf diesem wunderbaren Planeten zu verstehen. Und es zu teilen. Ich möchte es mit anderen teilen, weil ich mich als Teil einer großen menschlichen Gemeinschaft verstehe. Wir alle, die wir heute leben, werden eines Tages nicht mehr da sein und andere werden die Welt beleben. Es gibt nichts Kostbareres als dieses große Geschenk „Leben“ wahrzunehmen und in all seinen Licht- und Schattenseiten anzunehmen und zugleich als selbstwirksamer, freier Mensch zu gestalten.

 

Das klingt jetzt schon fast spirituell.

 

PB: Möglich. Aber ich meine es eher bodenständig, pragmatisch und aufgeklärt. Wichtig ist, dass das alles für mich nichts mit angestrengter Selbstoptimierung zu tun hat, sondern mit einem wunderschönen Entfaltungsprozess, einem Erblühen, einem voll gelebten Leben. Entfaltung ist das, was nach dem Wachstum kommt. Man kann nicht ewig wachsen, irgendwann ist man ausgewachsen, erwachsen. Aber dann beginnt die bewegende Phase der Entfaltung. Ich glaube, das ist die vielleicht schönste Zeit des Lebens. Erwachsen sein und sich entfalten.

 

Wie erleben Sie das?

 

PB: Ich merke das zum Beispiel bei der Arbeit an meinem neuen Buch, „Der entstörte Mensch“. Es ist nicht einfach ein weiteres Buch, sondern ein Werk. Es ist ein großer Kraftakt, der mich aber so erfüllt, wie vielleicht eine Künstlerin, die ein großes Gemälde malt oder einen Bergsteiger, der den Gipfel seiner Träume ersteigt. Ich fühle mich so frei wie nie. Und Freiheit ist mir sehr wichtig. Ich erlaube mir Rückgriffe und Ausgriffe in so gut wie alle menschlichen Denkkosmen. Ich beschäftige mich intensiv mit der menschlichen Geistesgeschichte, mit Geschichte, Politik, Physik, Biologie, Mathematik, Informatik Neurobiologie, sehr viel Philosophie und den Klassikern der Psychologie. Und dennoch möchte ich neu denken, weil ich glaube, dass wir in einer vollkommen neuen Zeit leben. Es ist wie auf einem großen geistigen Spielplatz. Alle Räume stehen mir offen und ich verbinde sie mit meinem ureigenen Denken und den schier unzähligen Erfahrungen in der Arbeit mit Menschen. Wissen mit Kreation zu verbinden, gehört für mich zu den schönsten Erlebnissen. Ich genieße es sehr.

 

Was fällt Ihnen schwer?

 

PB: Ich glaube es geht in meinem Leben immer um die Gratwanderung, wo Enthusiasmus und Leidenschaft aufhören und ich das Gefühl für das rechte Maß verliere. Mir fällt immer etwas ein, ich möchte immer einen Schritt weiter gehen. Mein Umfeld bringt das, glaube ich, manchmal zur Weißglut. Doch die Sache mit dem Maßhalten ist nicht nur in meinen Projekten, sondern auch bei anderen Themen eine Herausforderung für mich. Beim Essen zum Beispiel. Oder manchmal auch beim Sport. Nicht umsonst gilt das rechte Maß seit alters her zu den großen menschlichen Tugenden. Ich arbeite immer noch dran. (lacht) 

 

Wann schalten Sie ab?

 

PB: (überlegt) Beim Laufen, beim Tennis, beim Lachen mit Freunden, auf dem Rad oder in der Natur. Davon hätte ich gerne mehr. Das ist es, was mich auf der Skala von der acht in Richtung neun bringt.

 

Was halten Sie von den heute überall präsenten Entspannungstechniken?

 

PB: Hm. Kann durchaus nützlich sein. Für mich persönlich sind sie jedoch nur die zweitbeste Wahl. In meinen frühen Dreißigern wollte ich mich nach meinem damaligen Burn Out mit Yoga, Meditation etc. fast schon krampfhaft balancieren, bis ich gemerkt habe, dass ich nun mal kein Buddha bin, der immer ausgeglichen und wohltemperiert ist, und dass der Zwang zum Weise sein mindestens so anstrengend ist, wie der, auf andere Weise perfekt sein zu wollen. Ich habe mich manchmal gefragt, ob das eine Ausrede ist. Aber heute denke ich, dass ich ein lebenshungriger und sehr lebendiger Mensch mit Ecken und Kanten bin und tatsächlich eine Lebensvision habe, die mich so braucht wie ich bin und nicht so, wie ich immer wieder dachte, sein zu müssen. Es hat eine Weile gedauert, bis ich das verstanden habe. Ich musste dazu Mitte 40 werden.

 

Sie sind bei dem, was sie tun, erfolgreich. Haben Sie so etwas wie ein Erfolgsrezept?

 

PB: Ich mag den Satz „To break the rules, you first have to master them“, um die Regeln zu brechen, solltest du sie zuerst beherrschen. Ich möchte die Dinge in der Tiefe verstehen. Und mich erst dann fragen, was man anders, vielleicht sogar besser oder auf eine schönere, elegantere Weise machen könnte. Viele versuchen es heute anders herum. Das führt leider nicht weit.

 

Coaching steht heute für viele unter dem Verdacht, oberflächlich oder häufig nicht ausgegoren zu sein.

 

PB: Leider gibt es viele schwarze Schafe. Aber die gibt es in jedem Beruf. Aus meinem Verständnis heraus ist Coaching die derzeit anspruchsvollste Form der Gesprächsführung. Es verlangt von einem Coach unglaublich viele Facetten wie ausgeprägte Wahrnehmungsfähigkeit, Ausdrucksvermögen,  Aufnahmekapazität, Sensibilität und analytische Kraft gepaart mit souveränen methodischen Fähigkeiten. Hervorragende Coachs müssen bereits im Erstgespräch in der Lage sein, die Persönlichkeit und Denkweise eines Menschen zu verstehen. Wir müssen sehr schnell die Ziele und handlungsleitenden Motive unserer Klienten erkennen. Das Hineinfinden in die Sichtweisen eines anderen Menschen gehört zu den Schlüsselkompetenzen eines guten Coachs. Auf dieser Basis sucht man gemeinsam methodisch gesicherte Wege, Perspektiven zu verändern und zu erweitern. Es geht ja darum, neue kreative Lösungen zu entwickeln und die Denkweise eines Menschen in dem für ihn richtigen Tempo zu reflektieren, um neue Dimensionen von Zielen, Erlebnissen und Lebensqualität möglich zu machen. Kann es etwas Schöneres und Sinnvolleres geben? Für mich nicht.

 

Sie sagen, das Coaching, das Sie praktizieren und lehren, ist die zeitgemäßeste Form des produktiven Gesprächs. Wie meinen Sie das?

 

PB: Es ist zeitgemäß, weil es Menschen in einer sehr komplexen Welt abholt. Und deshalb, weil es ein Dialog zwischen zwei Erwachsenen auf Augenhöhe ist. Und es ist zeitgemäß, weil es nicht den Zweifel sät, sondern Menschen stärkt. Es geht darum, das Zutrauen in die eigene Kreativität, in neue Sichtweisen und die eigene Selbstwirksamkeit stärken. Ein solches Gespräch steht, wenn es exzellent ausgeführt wird, in nichts dem Niveau philosophischer oder anderer analytischer Gesprächstechniken nach, wird aber von Klienten immer als produktiv, intensiv und bedeutsam wahrgenommen. Es bringt Ergebnisse und Fortschritte, die anderen Gesprächsformen sehr häufig weit überlegen sind. Und das in sehr kurzer Zeit.

 

Wenn Sie darüber sprechen, leuchten Ihre Augen.

 

PB: (lacht) Ja, bei der Faszination für Coaching gehen bei mir die Pferde durch. Coaching ist für mich tatsächlich die heute schönste Art des produktiven Zuhörens, Denkens und Sprechens. Und es zeigt mir immer wieder neu, dass wir als Menschen keine autistischen Monaden sind, sondern uns gegenseitig brauchen, um uns selbst zu verstehen und zu entwickeln. Ich bin immer noch wie frisch verliebt in diesen Beruf und kann ihm jeden Tag neue Seiten abgewinnen. Möglicherweise hat das auch mit meiner Faszination für wirklich gute Technik zu tun. Sie zeigt sich für mich wie bei einem Apple-Device darin, dass sie nach Außen hin simpel, schön und extrem nutzerfreundlich ist. Wer aber dahinter schaut und mehr versteht, sieht, welche faszinierende und wegweisende Technik drin steckt. Gutes Coaching sollte genau so sein, finde ich. Es sollte Spaß machen, überraschen und in seiner Wirkung überzeugen.

 

Apropos Technik und Pferde. Man sagt Ihnen eine Leidenschaft für Autos nach.

 

PB: Stimmt. Ich liebe schöne Autos. Von meinem ersten selbst verdienten Geld habe ich mir ein altes Käfer Cabriolet, Baujahr ´78 gekauft. Feuerrot mit weißem Dach und weißen Reifen. Es war dauernd kaputt, aber es fanden sich immer freundliche Herren, die es mir umsonst repariert haben. (lacht)

 

Und heute? Was fahren Sie heute?

 

PB: Auch ein schönes. Aber ein sehr viel schnelleres. (lacht)

 

Bei der Gründung Ihrer Akademie waren sie inspiriert vom Weimarer bzw. Dessauer Bauhaus, das Architektur und Gestaltung im 20. Jahrhundert revolutionierte. Wie kamen Sie darauf?

 

PB: Ich war bereits als sehr junge Frau fasziniert von den zwanziger Jahren, eine Zeit des Aufbruchs der Moderne, in der so Vieles möglich war, was vorher undenkbar schien. Der Architekt und Gründer des Bauhauses, Walter Gropius, hat es gewagt, eine Schule für das Bauen und andere Zweige der Gestaltung zu errichten, die ihre Zeit in der Tiefe verstehen wollte und daraus praktische Ableitungen für Architektur und Design zu ziehen. Diese Idee finde ich atemberaubend. Und wollte sie 2008 auf meine eigene Arbeit übertragen: eine Schule des Denkens und der kommunikativen Arbeit mit Menschen zu begründen, in der wir die Kunst des Coachings auf die Höhe der Zeit bringen und innovativ weiterentwickeln. Das gelingt nur, wenn wir die Welt und die Zeit, in der wir heute leben, auf eine neue Weise verstehen und daraus die richtigen Schlüsse für unsere Arbeit ziehen. Es ist mir ein großes Bedürfnis, auf meine Weise eine bewusste Zeugin und Mitgestalterin unserer Zeit zu sein. Sie ist ähnlich bewegt und zentral wie es die zwanziger Jahre des vorherigen Jahrhunderts waren. Es liegt an uns, den heute lebenden Menschen, in welche Richtung sich die Zukunft entwickelt. Ich finde das sehr aufregend.

 

Welche Träume haben Sie noch?

 

PB: Oh, viele! Das wird auch nicht aufhören. Ich möchte noch viel öfter und noch länger im Süden oder in den Bergen leben. Meinen festen Schreibtisch habe ich schon vor vielen Jahren abgeschafft. Ich bin gerne viel unterwegs und immer auf der Suche nach Orten, die mich inspirieren und das Leben intensiv spüren lassen. Den Sinn meines Lebens sehe ich darin, mit anderen Menschen am großen Thema der humanen Entfaltung zu arbeiten. Ich glaube, wir haben als Spezies nur eine echte Chance, wenn wir gemeinsam und kulturübergreifend zu unseren eigentlichen humanen Stärken und Fähigkeiten finden. Was mich heute, im sogenannten Sommer meines Lebens, am meisten antreibt, ist, einen Beitrag dazu zu leisten, dass dieses Jahrhundert ein gutes wird.